Ev.-luth. St. Gertrud-Gemeinde

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Der Kirchbau

Die Gestaltung unserer St.. Gertrudkirche verdanken wir dem Hamburger Architekten Kirchenpauer, der mit einem Neubau den zuvor an dieser Stelle stehenden baufälligen Kirchbau durch eine neogotischen einschiffige Backsteinkirche mit offenem Dachstuhl ersetzte. Das geschah im Jahre 1886.

Die Geschichte der Döser Kirche reicht aber weit bis ins 16. Jahrhundert zurück und scheint eine gut lutherische gewesen zu sein. Denn nachdem der hamburgische Rat lutherisch geworden war, stellten die Döser 1528 an den Ritzebütteler Amtmann Dirk Lange die Bitte »dat wi mochten ene klene Kercke unde einen Prediger hebben». Und so wird erst von der »nien Kercke up der Stenmarne« gesprochen. Bis dahin scheint es in Döse nur eine St. Gertrud Kapelle „buten den Dieck" gegeben zu haben.

Die St. Gertrud-Kirche nach den Plänen Kirchenpauers hat nur noch eine große Veränderung hinnehmen müssen. Durch einen Bombentreffer im Jahr 1944 wurde der alte Glockenturm schwer zerstört und das Kirchenschiff beschädigt. Mit der Wiederherstellung der Kirche 1955 und dem Bau eines neuen Glockenturmes für die sechs Glocken im Jahr 1965 ist die alte, schlichte Pracht wieder eingekehrt.

 

Einige Fakten zur Kirche:

Einweihung: 21.11.1886

Länge des Kirchenschiffes: . 24,00 m

Breite des Kirchenschiffes: 12, 70 m

Lichte Höhe: 10, 80 m

Sitzplätze: ca. 500

ältestes sakrales Gerät: Taufkessel von 1573

Orgel: erbaut durch Rudolf von Beckerath, 1956

Name: benannt nach Gertrud von Nivelles 626-659, Beschützerin der Feldfrüchte und Bewahrerin der Deiche vor Wühlmäusen.

 

Der Altar

Der Barockaltar aus dem Jahre 1640 im Zentrum des Altraumes ist ursprünglich für eine Hamburger Kirche gestiftet gewesen und erst später nach Döse verkauft worden. Er hat einen typischen, im norddeutschen Raum oft aufzufindenden Aufbau. In Tischhöhe befindet sich eine Abendmahlszene, darüber ein Kreuzigungsbild in dessen Hintergrund noch die Grablegung zu erkennen ist. Darüber der Auferstandene als Triumphator. An den Seiten des Altars befinden sich vier geschnitzte Evangelistenfiguren mit ihren Attributen: Matthäus mit dem Engel, Lukas mit dem Stier, Markus mit Löwen und Johannes mit einem Adler.

In der Mittelachse zwischen den Bildern befinden sich zwei Wappen. Das untere der beiden ist dem hamburgischen Senator Joachim v. Spreckelsen zuzuordnen, der 1700 -1706 Amtmann in Ritzebüttel war.    

Die in den Stilformen des 18. Jahrhunderts hergestellte Bekrönung wurde 1928 entfernt und 1953 durch eine Strahlensonne mit dem Auge Gottes ersetzt. Leider hat man bei der Anbringung derselben nur wenig Sachverstand an den Tag gelegt. So schaut das Auge Gottes über Kopf aus dem Himmel – und macht unseren Altar wohl einzigartig.

 

Die Kanzel

An der südlichen Laibung des Altarraum-Bogens aufgestellt steht die Kanzel aus dem Jahre 1641. Sie stammt ursprünglich aus einer Hamburger Kirche und wurde damals anlässlich der Renovierung der Kirche vom Amtmann Hinrich Esich gestiftet.

Am Seitenaufgang sind Moses und Christus als Weltenlenker dargestellt. Um die Kanzel herum finden sich auf den vier Füllungen gemalte Darstellungen der vier Evangelisten. Die Evangelisten-Bilder werden einem Samuel Becker zugeschrieben, der als Sohn eines Malers in Döse geboren wurde - möglicherweise wurden sie aber auch nur von ihm überarbeitet. Der Schalldeckel über der Kanzel wurde 1695 zur Einweihung des Kirchenneubaus vom Hamburger Senator Hermann Stubbe gestiftet.

 

Der Taufkessel

Der bronzene Taufkessel ist das einzige Ausstattungsstück, das für die Döser Kirche hergestellt wurde. Gegossen worden ist 1573 vom Hamburger Büchsengießer Orban Schober. Auf sechs Riemchen finden sich Reliefbilder und der Taufbefehl:

»Matthei am letzten, gadt hen in de gantze weldt leret alle volcker dopet se im namen des vaders und des sons unde des hilligen geistes. Wol glovet unde gedoft wart de wart salig wol nicht glovet de wart wol dammet werden + Balsar von Meinssen, Amptmann, Marten Schleuger Schulte. Anno M.D.L.XXIII gos mich Orban Schober tho Hamborch«.

 

 

 

Die Orgel

Die Orgel auf der West-Empore ist vom Hamburger Orgelbauer Rudolph von Beckerath 1956 als zweimanualige mechanische Schleifladenorgel eingebaut worden. Sie verfügt über 23 Register. Mit dem ersten Manual kann das Rückpostiv, mit dem zweiten Manual das Hauptwerk gespielt werden. Beide Werke lassen sich koppeln.

 

 

 

 

Das Epitaph

Epitaphe sind Gedenktafeln, die zur Ehre Gottes und zur Erinnerung an bedeutende Menschen an die Kirchenwände angebracht wurden. Dieses stammt aus dem Jahre 1699 und ist dem Vogt auf Neuwerk Peter Thode und seiner Ehefrau Anna, geb. Oldendorps gewidmet. In der Mitte findet sich die Darstellung des Seewandels Jesu und des sinkenden Petrus und darunter in Frakturschrift:

»Gut wetter windt und Luft / stärckt glauben Hertzen und Muth / Doch löschet dieses baldt / ein stürmend Unglücks Fluth./ Wie PETRI beyspiel zeigt / drum trau dich nicht zu viel / Las Gottes Hülff und gnad, stets sein dein fester ziel. Matth: 14.«

 

 

Das Bildnis des Johann Elfring

Johannes Elfring wurde 1632 zum Pastor in Döse gewählt. Er ist dargestellt in der traditionellen Amtstracht der damaligen Zeit, dem hamburgischen Ornat mit Halskrause. Die Darstellung zeigt Elfring als Prediger, der der Gemeinde das Evangelium vor Augen stellt.

Die rechte Hand weist auf Christus, das Lamm,. dass der Welt Sünde trägt, die linke warnt vor der Verdammnis: Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Seht zu dass ihr rechtschaffene Früchte bringt. (Matthäus 3, 10)

Die deutsche Übersetzung des lateinisches Textes auf dem Bild lautet:

Dies Bild des Elfring, der diese Döser Kapelle mit Hilfe von Kampens und Esichs renoviert hat, dient allein Gott zum Ruhm und dem Satan zur Verwirrung und auch jenen, die die Verehrung Gottes schändlich behindern. Im Jahre 1641 im Alter von 34 Jahren. 

 

 

Die Grabplatte des Peter Teßdorp

Hinter dem Altar gelegen - und deshalb für die meisten Besucher nicht zu sehen -  befindet sich die Grabplatte des Peter Teßdorp, Vogt auf Neuwerk, der als einziger in der Kirche bestattet wurde. Erst als die Kirche 1886 neu gebaut wurde, wurde das Grab aufgehoben. Die Grabplatte, die zuvor vor dem Altar lag, erinnert an ihn: PETER TESDORFF VORWALTER DES TOREN UFM NEYEN WERKE IST GESTORBEN Ao1628 SEINE VORWALTUNG IST GEWESEN 21 JAHR.

 

 

 

Die Holzplastiken

In den Nischen vor dem Altarraum stehen zwei 1958 vom Bildhauer K. Schubert geschaffene große Holzplastiken. Sie stellen eine Allegorie des Alten und des Neue Testamentes dar. Das Alte Testament tritt uns als Figur entgegen, die Gesetzestafeln umklammernd hält und völlig in sich gekehrt scheint. Das Neue Testament wird als Figur dargestellt, die den Blick zum Himmel gerichtet hat und sich behutsam in die Zukunft hineintastet. 

 

 

 

 

Auch das noch: Ein Reprint eines Berichtes der Zeitung Neptunus von 1832, der den Zustand der alten Döser Kirche auf's Korn nimmt:

 

Am notwendigsten sind Dielen

 

Die St.-Gertrud-Kirche in Döse ist keine Zierde für unsere Stadt

 

Cuxhaven. Ein freundliches Gotteshaus ist ein sichtbares Denkmal der christlichen Gesinnung einer Gemeinde. Unnütze Pracht und Ausschmückung entsprechen der evangelischen Einfachheit nicht; doch alles, was für das Auge widrig ist, sollte entfernt werden. Unsere christlichen Brüder im benachbarten Holstein gehen uns mit gutem Beispiele vor; wie wohlgebaut, wie reinlich, wie wohlgefällig eingerichtet sind ihre Dorfkirchen, und auch unser Ritzebüttel hat ein einfaches, sehr ansprechendes gottesdienstliches Gebäude. Desto trauriger und für den Fremden fast abschreckend nimmt sich, die Döser Kirche aus, und dies ist um so auffallender, wenn man weiß, daß der größte Theil von Cuxhaven und selbst Neuwerk dort eingepfarrt sind.

 

Diese Kirche ward statt der 1543 erbauten Steinmarner St. Getruds Kapelle, im Jahre 1695 neu erbaut und eingeweiht; wahrscheinlich hat sie ihren Namen von der heil. Gertrude ab Osten, welche ein Kirchenlied dichtete und 1358 starb. Die Hamburger Gertrude, die etwa um dieselbe Zeit lebte, stiftete die sehr reiche St. Gertruden-Kapelle, der Grund ward 1391 gelegt und das Gebäude 1399 vollendet. Eine andere Gertrude war Aebtissin zu Nivelles (starb 664), von welcher die Stadt Gertrudenberg den Namen hat; die Gertrude ab Osten und die Aebtissin thaten beide, wie es heißt, bedeutende Wunder. Es giebt überdies noch drei andere heilige Gertruden, d.h. auf neu-deutsch Gerntraut, wahrlichein sehr ansprechender Frauenname.

Freilich soll schon die Rede davon gewesen seyn, die Kirche nach Cuxhaven zu verlegen, weil dort der am engsten zusammengedrängte Theil der Gemeinde wohnt und sich auch dort wohl ein passendes Gebäude, welches leicht für den heiligen Zweck einzurichten seyn möchte, unter billigen Bedingungen auffinden ließe. Es ist aber sehr natürlich, daß die Bewohner der Döse und der nahliegenden, dorthin eingepfarrten Geestdörfer ihre Kirche ungern missen, Dbwohl deren Baufälligkeit solche Maaßregel entschuldigen möchte.

Was aber laute Rüge verdient, ist die Unreinlichkeit, welche in diesem Tempel des Herrn vorherrscht, selbst an hohen Festtagen. Nirgends sahen wir auch nur die kleinste Capelle, wo der Eingang durch Sand geht, und der Boden des Gotteshauses weder gepflastert noch gediehlt ist; das niedrige Gebäude mit dem schmutzigen braunen Balkendach macht ängstlich, das Thor vor dem Altar ist eine seltsame Unzierde.

Altar- und Kanzeldecke*) bestehen fast aus Lumpen, die Orgel ist schlecht und wird nicht erbaulich gehandhabt. Die alten Votivgemäldean den Wänden sollten entweder aufgefrischt oder ganz entfernt werden. er Malerpinsel könnte leicht das finstre Gebäude aufhellen, und solche Malerarbeit kostet doch so viel nicht. Am notwendigesten aber wäre das Gebäude zu dielen, da das Durchwaten des Sandes in einer Kirche wahrhaft odiös ist, vorzüglich für Frauenzimmer.

Da dem Schreiber dieses der Aufenthalt im Kirchspiel Döse wahrhaft lieb geworden, so werden diese freimüthigen Aeußerungen, wegen ihrer guten Absicht gewiß nicht mißverstanden werden. Mag eine Predigt noch so erbaulich und herzstärkend seyn, in einem Gotteshause welchem jede Annehmlichkeit einer freundlichen Menschenwohnung fehlt, wird sie um so weniger Eindruck machen und auch die Sacramente schwerlich volle Andacht wirken können.

Die geistlichen Reden des würdigen Pastors zur Döse, Herrn Weiß, Phil. Dr. eines früher auch schon in Hamburg so beliebten Kanzelredners, möchten bei einer freundlichen Einrichtung des Gotteshauses noch häufiger besucht werden, und dieses wäre um so mehr zu wünschen, weil diese Reden ganz darauf berechnet sind, Aufklärung und Wahrheit zu verbreiten.           R.

 

*) Sollte die Kirche bald ein wenig besser eingerichtet werden, so hat sich ein wohlhabender Fremder zur Schenkung einer neuen Kanzeldecke erboten. A. d. Red.